Programmübersicht 18. Symposium

Freitag, den 08.04.2016


Dr.med Helga Simchen
Mainz, Kinderärztin, Kinder- und Jugendpsychiaterin
(Vortrag, Fr 17.00-18.00 Uhr)

30 Jahre AD(H)S - Selbsthilfe und Forschung
Der Weg vom Hyperkinetischen Syndrom zum AD(H)S war sehr beschwerlich. Dank der Erfahrungen der Betroffenen, ihrer Arbeit in den Selbsthilfegruppen und der Tätigkeit einiger informierter Therapeuten hielt AD(H)S schließlich Einzug in die universitäre Forschung. Die AD(H)S-Problematik beschleunigte den Einzug der Neurobiologie in die Psychiatrie; die analytische Psychotherapie wurde durch die kognitive Verhaltenstherapie ersetzt, die Medikamentengabe kombiniert mit lern- und verhaltenstherapeutischen Strategien und ein Selbstmanagement gefordert. Erfolgreiche AD(H)S-Therapie bedeutet heute, Lernbahnen im Gehirn entwickeln, damit Gelerntes und gewünschtes Verhalten schnell abrufbar sind, Selbstwertgefühl und Sozialverhalten sich altersgerecht entwickeln können. Ohne die mühevolle Tätigkeit der vielen Selbsthilfegruppen wären wir heute längst nicht so weit. Unsere nächste Aufgabe lautet, das AD(H)S mit seinen vielen Begleit- und Folgeerkrankungen in die Erwachsenenpsychiatrie zu integrieren.


Cordula Neuhaus
Esslingen, Dipl. Psych. Dipl. Heilpädagogin, Kinderpsychologin
(Vortrag, Fr 20.00-21.30 Uhr)

...und die „Tun-Fische“


Samstag, den 09.04.2016


Cordula Neuhaus
Esslingen, Dipl. Psych. Dipl. Heilpädagogin, Kinderpsychologin

Vortrag 1, Sa 9.00-10.30 Uhr
Kleinkind und Entwicklung, Früherkennung


Pearl Nitsche
Lehrerin, Kommunikationstrainerin, Wien

Workshop 2, Sa 9.00-10.30 Uhr
Nonverbale Führungstechniken im Unterricht
Wir reden und reden und reden … und sehr oft werden wir frustriert und haben das Gefühl, dass unsere SchülerInnen / Mitmenschen einfach nicht zuhören oder unsere verbalen Anweisungen nicht „ernst nehmen“. Dabei ist bewiesen worden, dass mehr als 82% unserer Kommunikation NONVERBAL ist. Warum sollen wir also unsere Worte, die wir eigentlich dem Inhalt unseres Unterrichtes bzw. unserer Botschaft widmen möchten, an den PROZESS der Kommunikation verschwenden? Vor allem, wenn nonverbale Führungstechniken so viel wirkungsvoller sind?
Dieses Einführungsseminar bietet sowohl ein bisschen Theorie als auch handfeste, sofort am nächsten Tag einsetzbare Techniken, die LehrerInnen das machen lassen, was sie am meisten wollen … nämlich unterrichten!

Vortrag 12, Sa 14.00-15.30 Uhr
„Unterricht mit Logik und Liebe. Reach them to Teach them!“
Menschen mit ADHS oder ADS lernen anders. Wenn wir ihren Lerntyp und ihre Lernstrategien erkennen und besser verstehen, gewinnen wir den Zugang zu ihnen. Dann können wir die Vielzahl an praktischen Tipps und nonverbalen Techniken, die in diesem Vortrag und in meinem Buch „Nonverbale Intelligenz im Klassenzimmer. Reach them to Teach them!“ beinhaltet sind, einsetzen, um unsere ADHSler dort, wo sie momentan sind, abzuholen, zu motivieren und das Lernen zu erleichtern.
Diese pädagogischen Grundsätze basieren auf der Annahme, dass jeder Mensch alle Fähigkeiten und Ressourcen zur persönlichen Entwicklung und zu Problemlösungen in sich trägt. Durch die Erkennung und die Aktivierung der eigenen innewohnenden Kraft, können Sie und Ihre Mitmenschen den eigenen Energiequellen begegnen, die Beziehung zu sich selbst und anderen völlig neu und liebevoll gestalten und die vorhandenen Ressourcen gezielt zum erfolgreichen Lernen einsetzen.


Prof. Dr.med Michael Huss
Dipl. Psych., Ärztlicher Leiter des Symposiums
Rheinhessen-Fachklinik Mainz, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitätsmedizin Mainz

Vortrag 3, Sa 9.00-10.30 Uhr
Wirkungsweise der Medikamente, Arzneimittelsicherheit

Vortrag 13, Sa 14.00-15.30 Uhr
Neuro-enhancement – Missbräuchliche Einnahme psychoaktiver Substanzen


Christian Wilker
Dipl. Sozial-Pädagoge, Leiter des Autismuszentrums (ATZ), Universitätsklinikum Frankfurt/M

Vortrag 4, Sa 9.00-10.30 Uhr
Autismus-Spektrum-Störung (ASS), Bedeutung und Intervention im Schulalltag


Helmut Weber
1.Vorsitzender VSV Schnelle Füße Koblenz e.V.

Vortrag 5, Sa 9.00-10.30 Uhr
Sportlich AD(H)S meistern
AD(H)S geht uns alle an. Ob in der Familie, im Bekanntenkreis oder auch in der Kollegenschaft finden wir Menschen mit AD(H)S. Sie stehen in der Gesellschaft oft negativ im Fokus wegen ihrer Hyperaktivität. Auch beruflich haben sie es oft sehr schwer. Die neuen Technologien, wie z.B. Smartphone und PC fördern zudem teilweise die Begleiterscheinungen des AD(H)S, wie Konzentrationsschwäche und die Bereitschaft sich ablenken zu lassen. Dieser Vortrag möchte Möglichkeiten aufzeigen, wie Betroffene das Leben sportlich meistern können.


Prof. Dr. Sören Schmidt
Dipl. Psych., Hochschule Fresenius für Wirtschaft und Medien GmbH, Köln

Vortrag 6, Sa 11.00-12.30 Uhr
AD(H)S im Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter
AD(H)S ist eine Störung, die sich auf die gesamte Lebensspanne auswirkt. Die mit der Störung einhergehenden Symptomtrias der Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind in unseren Diagnosesystemen fest verankert. Aufgrund des Symptomwandels ab dem Jugendalter wird der diagnostische Prozess jedoch immer anspruchsvoller. Wie verändert sich die Störung im Übergang vom Jugend- in das Erwachsenenalter? Mit welchen Problemen sind AD(H)S-Betroffene konfrontiert, die das Kindesalter bereits überschritten haben? Welche Konsequenzen hat der Symptomwandel für die Behandlung? Diese Punkte sollen in dem Vortrag aufgegriffen und diskutiert werden.


Ute Berger
Dipl. Psych., Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche, Bonn

Vortrag 7, Sa 11.00-12.30 Uhr
Soziales Kompetenztraining bei Schülern mit AD(H)S
Die Schule ist ein Ort, an dem die Kinder sehr viel Zeit verbringen. Hier soll die kognitive und die soziale Förderung der Kinder erfolgen, dabei werden aber die Verhaltensprobleme der Heranwachsenden besonders deutlich.
An der HEBO-Privatschule in Bonn entstand daher die Idee, ein soziales Kompetenztraining für die Klassen 5-7 im festen Stundenplan zu integrieren. Viele Kinder dort zeigen Verhaltensauffälligkeiten. In der SEK I tritt bei diesen vermehrt die Diagnose ADHS auf. Wiederholt wurde von Schülerseite aus signalisiert, dass die Lehrer wenig Zeit hätten, mit Ihnen ihre sozialen Situationen, Defizite bzw. Konflikte, die sie im Schulalltag immer wieder begleiten, zu thematisieren. Die Lehrer bestätigten diese Problematik und gerade die Klassenlehrer machten deutlich, dass es im Schulalltag immer wieder zu der Schwierigkeit kommt, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, zwischen der zeit- und lehrplangerechten Stoffvermittlung und der Dringlichkeit des Eingreifens und Intervenierens beim Auftreten der oben genannten Probleme. Mit großem Interesse, gerade von Schülerseite aus, wird dieses Angebot angenommen und die Schüler genießen es, dass sie ihre persönlichen Themen, Probleme und Konflikte untereinander in der Schule ansprechen können.
Vorteile eines solchen Settings (Schule) ergeben sich aufgrund der höheren Alltagsnähe. So können konkrete aktuelle Konfliktsituationen mit entsprechenden realen Interaktionspartnern bearbeitet werden und sozial kompetentes Verhalten kann während des Unterrichtes eingeübt werden. Des Weiteren lernen die Kinder die Intentionen und Erwartungen anderer Kinder genauer zu erkennen und die Kinder können sich untereinander unmittelbar Feedback geben. Sie können sich gegenseitig unterstützen und die Unterrichtsinhalte werden in den Alltag der Kinder stärker transferiert. Die Bezugspersonenarbeit im Schulsetting wird durch ein besseres Einbinden der Lehrer intensiviert. Sie erhalten konkrete Anleitungen und Interventionen direkt vor Ort. Es erfolgt eine unmittelbare Beobachtung von den Kindern direkt vor Ort. Andere Kinder dienen ihnen als Modell und demonstrieren das entsprechende Verhalten, um damit ein besseres Bewältigungsmodell zu entwickeln. Automatisch haben die Kinder eine bessere Anbindung zu einem Gruppentraining in der Schule als zu einem im klinischen Alltag. Die Kinder sind bereits vor Ort, das Gruppentraining ist im regulären Stundenplan integriert.
Ziel meines Vortrages ist es, entsprechende Vorgehensweisen und Interventionen darzustellen:
1. Analyse und Klärung der internen Konflikte jedes Einzelnen und im Klassenverband
2. Aufbau und Durchführung adäquater Interventionsansätze zur Förderung sozial kompetenten Verhaltens
3. Stabilisierung und Generalisierung positiver Verhaltensansätze


PD Dr. rer soc. Ute Strehl
Dipl. Psych., Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen

Vortrag 8, Sa 11.00-12.30 Uhr
Neurofeedback bei Kindern mit AD(H)S
Als sogenannter Goldstandard bei der Behandlung von ADHS gilt die Gabe von Medikamenten. Aus unterschiedlichen Gründen (Nebenwirkungen, rein symptomatische Behandlung, kein Langzeiteffekt, mangelnde Compliance beim Kind und / oder seinen Eltern) gibt es eine erhebliche Nachfrage nach anderen therapeutischen Angeboten. Dabei ist das Neurofeedback in den letzten Jahren zunehmend in den Blickpunkt sowohl der Forschung als auch der betroffenen Familien geraten. Neurofeedback als Variante des Biofeedbacks meint die Regulation neuronaler Aktivität. Mit Hilfe des Elektroenzephalogramms werden neurophysiologische Aspekte der Hirntätigkeit aufgezeichnet und dem Probanden in Echtzeit zurückgemeldet. Das Ziel im Fall von ADHS ist, dass den bei dieser Störung typischen Mustern von Untererregung in Teilen des Gehirns durch eine Selbstregulation entgegengewirkt werden soll. Es werden die neurophysiologischen Grundlagen dieses Ansatzes erklärt. In einem Video wird gezeigt, wie eine Behandlung mit Neurofeedback abläuft und welche Ergebnisse erzielt werden können. Eine Übersicht über jüngste Evaluationsergebnisse in wissenschaftlichen Studien soll eine Beurteilung der Wirksamkeit ermöglichen. Abschließend wird die Einordnung von Neurofeedback in ein den Leitlinien gemäßes multimodales Vorgehen diskutiert.


Karoline Teufel
Dipl. Psych., Stellvertretende Leiterin des Autismuszentrums(ATZ), Universitätsklinikum Frankfurt/M

Vortrag 9, Sa 11.00-12.30 Uhr
Neuropsychologische besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung
In der Neuropsychologie von Autismus-Spektrum-Störungen werden verschiedene Besonderheiten als relevant gesehen: Exekutivfunktionen, Zentrale Kohärenz, Theory of Mind, Imitation und Joint Attention.
Kinder und Jugendliche mit einer Autismus-Spektrum-Störung erreichen die Entwicklungsmeilensteine in diesen Fähigkeiten oftmals nicht oder nur unzureichend. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf ihre weitere Entwicklung und erschwert das Zeigen eines flexiblen, sozialen und situativ adäquaten Verhaltens im Alltag. Für die Planung und Durchführung autismusspezifischer Interventionen ist eine Berücksichtigung dieser Besonderheiten daher von zentraler Bedeutung.


Prof. Dr.med Edgar Friederichs
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin / Psychotherapie, Bamberg

Vortrag 10, Sa 11.00-12.30 Uhr
Brain Repair statt Mangelverwaltung - Stressmanagement des Gehirns
Neuere Erkenntnisse zeigen, welchen Stressbelastungen das Gehirn schon in früher Kindheit ausgeliefert ist und welche funktionellen neuronalen Veränderungen insbesondere der Nervenzellen hierdurch in diesem Organ hervorgerufen werden. Aktuelle Krankenkassendaten zeigen zudem, dass auch die Belastungen, die aufgrund von psychischen Erkrankungen oder anderen Störungen des Gehirns entstehen zunehmend größer werden. Dies führt ebenfalls zu funktionellen Einschränkungen der Nervenzellen. Allein schon aus wirtschaftlichen Erwägungen sind wir gezwungen, uns deswegen intensiver mit dem Organ Gehirn auseinanderzusetzen. Es ist noch nicht lange her bzw. es ist immer noch so, dass gelehrt wurde (wird), dass die menschliche Nervenzelle zu sehr spezialisiert sei, um die Fähigkeit zu haben sich selbst zu reparieren. Dem ist nicht so: Die Nervenzelle und damit das Gehirn können sich unter bestimmten Umständen selbst reparieren, so dass es zu Funktionsrückbildungen kommen kann. Zum einen können differenzierte Umweltbedingungen zu Funktionsrückbildungen beitragen. Umgekehrt kann es aber auch sein, dass eine veränderte Umwelt Funktionsrückbildungen im Gehirn blockiert. Neuere Entwicklungen zeigen, dass es sinnvoll ist, unterschiedlichste Stimulationsformen zu betrachten, die eine Reprogrammierung der Nervenzellen oder auch eine Programmierung anderer Nervenzellen ermöglichen, die ursprünglich nicht für die Funktionen der geschädigten Nervenzellen angedacht waren. Dies geht mit einer strukturellen und funktionellen Reorganisation des Nervengewebes einher. Diese Herausforderungen erfordern ein zielgerichtetes Stressmanagement des Gehirns. Die neuere Forschung zeigt, dass das sog. „Stressmanagementsystem" im Stammhirn, das sog. autonome Nervensystem (ANS) durch spezifische Messmethoden wie z.B. die Herzfrequenzvariabilität (HRV) abgebildet werden kann und Hinweise auf den Grad der (akuten/chronischen) Stressbelastung geben kann. Diese Messmethoden können somit zusätzlich als diagnostisches als auch als therapieevaluierendes Element dienen.


Dr.phil. Roy Murphy
Dipl. Psych., Leitender Psychologe der Schön-Klinik, Bad Bramstedt

Vortrag 11, Sa 14.00-15.30 Uhr
AD(H)S im Erwachsenenalter
In diesem Vortrag wird der aktuelle Stand zur Genese, Diagnostik sowie psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung der AD(H)S mit Persistenz ins Erwachsenenalter vorgestellt.


Dr. Peter Schmidt
Diplom-Geophysiker, Autor, Asperger-Autist, Gadenstedt

Vortrag 14, Sa 14.00-15.30 Uhr
Kein Anschluss unter diesem Kollegen
Autistische Menschen haben nicht selten erhebliche Stärken in bestimmen fachlichen Bereichen. Sie können mitunter auch auf der Sachebene gut kommunizieren. Autisten beherrschen jedoch die Kommunikation auf der Beziehungsebene nicht. Soziale Erwartungen der Kollegen und Chefs bleiben nicht selten unerfüllt. Die Folge ist, dass Autisten ihre Stärken oft kaum oder gar nicht zum Vorteil für die Gesellschaft einbringen können. Denn im modernen Berufsleben ist eine fachliche Kompetenz zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Erfolg mehr. Stattdessen kommt es mehr denn je auf das Funktionieren auf der Beziehungsebene an. Der Vortrag stellt die spezifischen Probleme autistischer Menschen in der modernen Arbeitswelt dar. Anhand der persönlichen Erfahrungen des Referenten wird deutlich, welche Bedingungen förderlich und welche hinderlich sind, um einen Autisten erfolgreich zu beschäftigen. Außerdem zeigt der Vortrag auf, was Kollegen und Chefs wissen sollten, beachten und tun können, damit ein Autist Nutzen bringender Teil eines Teams werden kann.


Martina Schmidt
Gadenstedt

Vortrag 19, Sa 16.00-17.30 Uhr
Erfahrungen aus dem Zusammenleben mit einem Autisten
Autismus ist definiert durch Besonderheiten in der Kommunikation, Interaktion, Stereotypien und Rituale. All diese Besonderheiten führen zu Herausforderungen in Partnerschaften, auf die individuelle Antworten gefunden werden müssen. Wie das aussehen und funktionieren kann, berichtet Martina Schmidt aus ihrer eigenen Erfahrung. 22 Jahre mit dem Autisten Dr. Peter Schmidt verheiratet, hat sie vielfältige Erfahrungen gemacht und zahlreiche Strategien entwickelt, mit dem Autismus ihres Mannes umzugehen.


Petra Friederichs
Dipl.-Sozialwirtin, Systemische Familientherapeutin (DGSF) / SI Pädagogin, Bamberg

Workshop 15, Sa 14.00-15.30 Uhr
Familienstress für Kinder und Eltern
Im Zusammenleben und in der Erziehung von Kindern mit AD(H)S läuft es nicht immer reibungslos. Da gilt es manchmal Situationen zu meistern, die zu echten Herausforderungen werden, ob zu Hause, in der Schule oder beim Lernen. Auf der anderen Seite sind unsere AD(H)S Kinder häufig sehr sensibel, sie brauchen Bindung und möchten sich geborgen fühlen, auch wenn es von außen gar nicht so scheint. In unserem Workshop geht es um Interaktion, verbale und nonverbale Kommunikation und Lernprozesse zu Hause und für die Schule. Es geht nicht um den Austausch von allgemeinen "Kochrezepten" für den Umgang mit AD(H)S- Kindern, sondern um den Aufbau  gegenseitiger Wahrnehmung und Reflektion, um Wertschätzung und "Resilienz" (Widerstandsfähigkeit) und vor allem um Stressminderung  im Alltag bei Kindern und Eltern.


Dr.med Helga Simchen
Kinderärztin, Kinder- und Jugendpsychiaterin, Mainz

Vortrag 16, Sa 16.00-17.30 Uhr
Das AD(H)S 60+ - Erfahrungen aus der Praxis
Das Leben dieser Betroffenen spiegelt die Geschichte des AD(H)S wieder. Ihre genetisch geprägte Persönlichkeitsvariante wurde im Laufe ihres Lebens zunehmend vom sozialen Umfeld geprägt. Wie man lernt zeitig mit seiner Problematik umzugehen, das entscheidet, ob man von den Vorteilen seines AD(H)S profitieren kann oder ob es zur leidvollen Krankheit wird. Durch meine berufliche Tätigkeit konnte ich beobachten, wie und warum der Lebensweg dieser Altersgruppe in vier Richtungen verlief, manche konnten Hervorragendes leisten, andere dagegen drifteten in die Hilflosigkeit und Resignation ab. Der Vortrag möchte Mut machen und vermitteln, wie man sein Leben trotz AD(H)S meistern kann, denn dafür sind die Voraussetzungen heute deutlich besser. Aber man muss sich aktiv einbringen, sich informieren, sich Ziele setzen, seine persönlichen Probleme kennen und lernen, konkret damit umzugehen. Dann braucht die heutige AD(H)S-Generation nicht mehr sagen: „Mein Leben wäre bestimmt anders verlaufen, wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß.“


Prof. Dr. Hans Biegert
Leitender Schuldirektor und Schulträger der HEBO-Privatschule, Bonn

Vortrag 17, Sa 16.00-17.30 Uhr
Ohne Fleiß kein Preis? --- Lernerfolg = Ende der Spaßpädagogik?
Was uns wissenschaftliche Erkenntnisse aus Pädagogik, Neurowissenschaften und Psychologie über Wirksamkeit von Lehren und Lernen vermitteln.
Das altdeutsche Sprichwort „Ohne Fleiß kein Preis!" scheint schon lange in Vergessenheit geraten. Viele Schüler glauben, Lernen, der Erwerb von Wissen und Können gelinge (fast) von selbst, man brauche sich nicht anzustrengen, das Geheimnis des Könnens läge in der Motivation und damit der Ball im Feld von Schule und Lehrern. Lehrer bräuchten ihre Schüler nur vernünftig zu motivieren, dann gelinge Lernen wie von selbst. Nicht wenige Eltern teilen diese Vorstellung, schlimmer noch: „Unser Kind soll es mal besser haben.“ Und „Lernen soll Spaß machen.“ Und wenn das Kind keine Lust auf Englischvokabeln hat, liegt' s an den misslungenen Motivationsbemühungen der Lehrer.
Geht das? Was sagen die Hirnforscher dazu? Kann es gelingen, Lernen ohne oder allenfalls bei geringer Anstrengung, nur begleitet durch warme Worte und Taten des Lehrers als Super-Motivator? „Fuck you Goethe“ im Realitäts-Check!
In meinem Vortrag:
1. gehen wir den neurobiologischen Grundlagen des Lernens nach
2. prüfen wir, welche Rahmenbedingungen nachweislich lernfördernd I nachweislich lernhinderlich sind
3. klären wir, wann und wodurch Motivation beim Lernen wirklich entsteht
4. werden wir eine Antwort auf die Frage finden, ob es funktioniert, dass es unsere Kinder „mal besser haben sollen“ und sich (beim Lernen) nicht mehr so anstrengen müssen wie wir.


Dr.med. Jürgen Fleischmann
Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin/Psychotherapie, Sozialpsychiatrie mit dem Schwerpunkt ADHS, Sinzig

Workshop für Hausärzte, Teilnahme begrenzt - Berufsbezeichnung bei Anmeldung erforderlich | Workshop 18, Sa 16.00 17.30 Uhr
AD(H)S im Erwachsenenalter – Entscheidung zwischen „Koks auf Rezept“ und unterlassener Hilfeleistung
Gerade beim Übergang Jugendlicher ins Erwachsenenalter kommt es zu enormen Problemen bei der Weiterbehandlung, vor allem wenn medikamentöse Unterstützung  angebracht ist und sich als erfolgreich erwiesen hat. Die Rat- und Hilfesuchenden jungen Erwachsenen finden keine Ansprechpartner in für sie erreichbarer Nähe und wenn, ist das mit langen Wartezeiten verbunden. Dies ist eine katastrophale Situation in einer Zeit der Ablösung vom Elternhaus, der Partnersuche, der beruflichen Integration, dem Start in ein Studium mit neuen Anforderungen an Selbständigkeit und eigenverantwortliche Organisation. Hausärzten, die ihre Patienten ansonsten engagiert und vertrauensvoll begleiten fehlen Kenntnisse zu dieser Materie, z.B. hinsichtlich BTM-Rezepten. Sie befürchten Regressansprüche und sind unzureichend darüber informiert, welche Unterstützung ihre fast erwachsenen Patienten benötigen. Fachärzte wiederum möchten ihre Patienten nach Diagnostik und Erstbehandlung gerne vertrauensvoll an ihre KollegenInnen weiterleiten damit ihnen Raum für die lange Liste der auf eine Erst- oder Neudiagnostik wartenden Patienten beim Übergang ins Erwachsenenalter bleibt.
Dieser Workshop bietet unter Leitung von Herrn Dr. Fleischmann mit kollegialer Unterstützung von Herrn Dr. med. Mathias Rudolph, Mittelrheinklinik Bad Salzig, einen offenen Austausch unter Fach- und Hausärzten an mit dem Ziel, ein vertrauensvolles Miteinander und einen geordneten, strukturierten Übergang vom Kinderarzt zum Hausarzt zu ermöglichen.


Prof Dr. Gerhard W. Lauth
Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeut, Köln

Vortrag 20, Sa 16.00-17.30 Uhr
Verhaltenstraining für Studenten mit AD(H)S
Vorgestellt und begründet wird ein umfassendes Verhaltenstraining für Studenten mit adulter AD(H)S. Dabei wird (kurz) ein Bedingungsmodell für deren Alltagsschwierigkeiten und eine Darstellung der „typischen“ Alltagsbeeinträchtigungen vorangestellt. Im Schwerpunkt werden die Methoden und die Inhalte sowie die (empirischen) Ergebnisse zu dem Verhaltenstraining präsentiert.