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Hilfe, ADHS wird erwachsen!

Ihren 10. Geburtstag feierten die beiden Bonner Juvemus-Regionalgruppen – Elterngruppe für betroffene Kinder und Jugendliche sowie die Erwachsenengruppe - am 29. Oktober 2016 in der HEBO Privatschule.

Was braucht es, damit der Schritt ins Erwachsenenalter ein Schritt nach vorne ist und nicht ins Leere führt? Diese Frage wurde in der Jubiläumsveranstaltung aufgegriffen und mit vielen Interessierten, Mitgliedern, zum Teil auch selbst betroffenen Teilnehmern sowie Fachkräften aus unterschiedlichen Berufsfeldern diskutiert.

Die Veranstaltung wurde von den beiden Gruppenleiterinnen, Frau Ute Kögler (Eltern betroffener Kinder und Jugendlicher) und Frau Kirsten Otto (Erwachsene mit ADHS) eröffnet. Beide würdigten die bisher geleistete Arbeit, hoben das Engagement der Selbsthilfegruppen hervor und verdeutlichten, wie wichtig der Austausch untereinander für betroffene Familien und die Betroffenen selbst ist.

Es folgte ein Fachvortrag, der von Prof. Dr. Sören Schmidt, Studiendekan der Hochschule Fresenius, Hamburg, gehalten wurde. Unter dem Titel „ADHS in der Lebensspanne: Welche Rolle spielt das Jugend- und junge Erwachsenenalter?“ wurde ein besonderer Fokus auf Altersübergänge gelegt. Dabei kann das Jugend- und junge Erwachsenenalter als eine besonders sensible Phase angesehen werden, die sowohl für die betroffenen jungen Erwachsenen und ihre Familien als auch für therapeutische Fachkräfte eine gleichermaßen hohe Herausforderung darstellt.

Im Rahmen einer anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten (v.l.n.r.) Herr Volker Klein (stellvertretender Direktor der HEBO-Privatschule in Bonn), Herr Dr. Christian Konkol und Frau Dr. Eva Tschersich (beide aus der Spezialambulanz Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter am Klinikum für Neurologie und Psychiatrie der Uniklinik Köln), Frau Ute Kögler (1. Vorsitzende von Juvemus e.V. und ADHS-Coach) sowie Prof. Dr. Sören Schmidt (Hochschule Fresenius, Hamburg) mit den Teilnehmern der Veranstaltung und beantworteten Fragen rund um das Thema ADHS.

Dabei wurde deutlich, dass es noch immer einen großen Bedarf an Aufklärung über ADHS allgemein, aber insbesondere über ADHS bei Erwachsenen gibt. Einige Teilnehmer berichteten von ihren Problemen im Umgang mit Ärzten und Therapeuten. Ihre Erfahrung zeigt, dass es oft noch am Bewusstsein bzw. der Sensibilität gegenüber den spezifischen durch ADHS verursachten Problemen bei Heranwachsenden fehlt. Gerade in der Phase ab dem 18. Lebensjahr ergeben sich viele Brüche, so z.B. der Wechsel von Therapeuten und Ärzten. Wird dieser Übergang nicht vorbereitet, kann das gravierende negative Folgen für die jungen Erwachsenen haben wie beispielsweise der Wegfall der Medikamente in einer Phase wo sie durch Ausbildung/Studium neuen Anforderungen ausgesetzt sind. Aufgrund dieser Erkenntnis wurde angeregt, den Austausch zwischen Kinder- und Jugend Behandlern und den Erwachsenentherapeuten zu verbessern, wobei die Selbsthilfe auf der Basis ihrer erlebten Kompetenz in den Austausch integriert sein sollte. Erste Gedanken wie das in Bonn erfolgen könnte wurden bereits angedacht.

Die Bonner Regionalgruppen danken ganz herzlich der HEBO Privatschule, hier insbesondere Herrn Prof. Dr.h.c. Hans Biegert und der Arbeitsgemeinschaft der rheinischen Betriebskrankenkassen für die großzügige Unterstützung, die die Durchführung der Veranstaltung erst ermöglicht haben.

Ute Kögler

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